Ostern 2021

Osterbräuche

Die erste Frage, die sich mir stellte: Womit hängt der Name Ostern überhaupt zusammen. Bei uns geht er auf Ostara, Göttin der Morgenröte, der Frühlingsgöttin zurück. Auf diese Frühlingsgöttin gehen wahrscheinlich auch die Frühlingsfeste zurück. In einem der Hans-Sachs-Spiele gehen die besseren Herrschaften das erste Veilchen zu suchen. Bei den damaligen Heizmöglichkeiten in den Häusern kann man sich gut vorstellen, dass sie die wärmere Jahreszeit sehr willkommen hießen.
Die Brunnen werden zur Osterzeit geschmückt um deutlich zu machen, dass Wasser etwas Kostbares ist. Nachdem in manchen Gebieten von Ostara-Brunnen gesprochen wird, hat dieser Brauch wahrscheinlich auch den gleichen Ursprung.

Doch das eigentliche Osterfest geht aus dem jüdischen Passah-Fest hervor. So heißt dieses im italienischen auch Pasqua, spanisch Pascua, was dem jüdischen entspricht.

Der erste Tag der Karwoche ist der Palmsonntag, christlich verbunden mit dem Einzug Jesu in Jerusalem. Dieser wurde früher mit dem Palmesel in Prozessionen dargestellt. Weil aber oft großer Unfug dabei angestellt wurde, wurden sie im 18. Jhd. verboten. In einzelnen Kirchen wurde so ein Palmesel noch erhalten.

An die Palmzweige, die vor Jesus auf den Weg gelegt wurden, sollen heute die Palmbuschen erinnern. Diese in den Kirchen geweihten Palmbuschen sollten sogar Zauber-, Heil-, Schutz- und Segenskraft haben und Schutz vor Blitz und Feuer usw. bieten.

Im evang. Nürnberger Raum bekamen die Kinder an diesem Tag, dem „Ballnsonntag“, einen Ball geschenkt.

Gründonnerstag – wo der Name herkommt ist unklar, er wurde zum erstenmal 
1220 in Erfurt erwähnt. Man vermutet, dass der Name evt. von grünen Messgewändern herkommt, bzw. wurden an diesem Tag Büßer losgesprochen, die mit jungem Grün geschmückt waren und Grünlinge hießen – folgedessen dieser Tag auch Ablasstag genannt wurde.

Jesus soll an diesem Tag seinen Jüngern die Füße gewaschen haben. So wird in manchen Gemeinden die Fußwaschung durchgeführt. Hochoffiziell wäscht der Papst auserwählten Männern die Füße als Symbol der Demut und Nächstenliebe.

Danach wird das Abendmahl gefeiert. –

In kath. Kirchen fliegen die Glocken an diesem Tag nach dem Glorialäuten nach Rom und werden durch die Ratschen, die einen gehörigen Lärm verursachen, ersetzt. Die Kinder liefen mit den Ratschen durch den Ort und luden zum Kirchgang ein, bekamen dafür Süßigkeiten usw. geschenkt, das am Karfreitag und Samstag, wo das Wort für eine redselige Frau „Karfreitagsratschn“ wohl entstanden ist.

Am Ostersonntag, in der Osternacht kehren die Glocken zurück und läuten feierlich das Osterfest ein.

Nun kommen wir zu den Ostereiern. Sie sind das Ursymbol für Lebenserneuerung – Auferstehung. Es ist erwiesen, dass in Worms im 4. Jhd. zwei Gänseeier mit Streifen und Tupfen bemalt waren.
Die Gründonnerstagseier wurden auch Ablasseier genannt, sie sollten Wünsche erfüllen, das ganze Jahr Gesundheit erhalten und vor Blitzeinschlag schützen. Wenn man ein Ei übers ganze Haus warf, so sollte die Kuh gut kalben können.

Zu Ostern mussten von den Bauern auch Abgaben an die Lehensherrschaft abgeliefert werden, so auch Eier, die sogenannten Zinseier.

Eier sind gekocht lange haltbar. 1704 ist erwähnt, dass Eier als Taufgeschenk gegeben wurden. 1785 durften in Nürnberg die Findelkinder Eier sammeln – erbetteln.

Eier waren auch als allgemeine Geschenke beliebt. Zum Verschenken wurden die Eier dann auch gefärbt, rot mit roten Rüben, grün mit Spinat, braun mit Zwiebeln und gelb mit Kümmel. Auch wurden Sprüche auf‘s Ei geschrieben z.B. 

Wenn auch das schwache Ei zerbricht, 
doch unsre Liebe wanket nicht;
sie dauert fort all Tag und Stund 
bis zu unserem Heiligen Ehebund.

Ganz exquisite Geschenke waren die Fabergée-Eier, die von dem berühmten Goldschmied 1885 – 1917 in Petersburg hergestellt und kunstvoll verziert wurden. Das waren natürlich teuere Objekte von hochgestellten Personen an ebensolche.

Traditionell wird am Gründonnerstag Grünes gegessen, zumeist 
Spinat mit Ochsenaugen.

Der Karfreitag ist zum Gedenken an den Tod Jesu der Trauer- und Fastentag. Für Evangelische ist es der absolute Ruhetag, an dem man nichts zur Hand nehmen darf wie Hammer und Nägel, man darf nicht waschen, nähen, Haare und Fingernägel schneiden, auch nicht reisen. Zur Todesstunde Jesu werden in Kirchen um 15.oo Uhr Gottesdienste gefeiert.

Für die Darstellung der Grablegung Christi haben manche Kirchen eine dafür bestimmte Nische, oft außen an der Kirchenmauer. Auch wurden Passionspiele aufgeführt, in Bad Windsheim gab es sie im 14./15. Jhd.  In manchen Gemeinden ging man in einer Karfreitagsprozession durch den Ort. Nach dem 30jähr. Krieg wurde in Prozessionen viele Teile der Bibel bildlich dargestellt wie König David, Jonas im Fisch, die Leiden Jesu, die Jesus gegeißelt hatten, Kreuzschleifer. Mit der Zeit artete manches in Unfug aus, so dass die Umzüge verboten wurden.

Die traditionelle Fastenspeise an diesem Tag ist in unserem Gebiet der Karpfen.

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe. Es darf auf den Äckern nicht gearbeitet werden. Dafür muss das Haus für die Festtage geputzt und geschmückt werden. Osterbrote und sonstiges mussten zum Fest gebacken werden. In Nürnberg gab es an der Fleischbrücke Bisquit- und Zuckerlämmer und Hasen zu kaufen.
Am Karsamstag wurde auch das Osterfeuer nach einem festgelegten Ritus entzündet und gesegnet; die Osterkerze war daheim der Schutz vor Blitz, bei Gewitter wurde gesegnetes Feuerholz wieder angezündet. In der Osternacht wurden in den geschmückten Kirchen Speisen geweiht, dazu gehörte bei uns der Kren. Es wurde gemeinsam gegessen und noch vor Sonnenaufgang wurde das Taufwasser und das Weihwasser geweiht.

Ostersonntag
Noch vor Sonnenaufgang wurde das Osterwasser an der Quelle oder an einem besonderen Ort geholt, dabei durfte man aber nicht sprechen. Diesem Wasser sprach man eine besondere Wunderkraft zu. Es sollte eine heilende Wirkung haben, vor Sommersprossen schützen, dauernde Schönheit geben, den künftigen Ehegatten sehen lassen – dabei hatten die jungen Männer den größten Spaß um die Mädchen zum Lachen und Reden zu bringen – . Die Wunderkraft des Wassers sollte auch dem Vieh zugute kommen, es wurde damit getränkt und besprengt. 
Vom Ostersingen weiß man heute auch nichts mehr. Das gab es z.B. auf dem Michelsberg bei Hersbruck und es schallte wohl weit übers Tal. Das Ostersingen war sicherlich mit einem Gottesdienst verbunden. Evt. fand anschließend daran ein Flurumgang statt. Flurumgänge waren weit verbreitet, sie  werden auch Osterreiten genannt, man findet diesen Brauch auch bei Slawen und Sorben. Mit dem Flurumgang bittet man um Schutz vor Unwetter und Missernte.
Am Ostersonntag suchten die Kinder nach den Ostereiern, wofür sie schon vorher Ostergärtlein oder Osternester gebaut hatten. Diese waren mit Moos ausgelegt und von einem Zäunchen umgeben, die Tür musste offen bleiben, dass der Osterhase auch hinein kam. Der Osterhase, wohl auch ein Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Lebens, wird zum 1. mal im 17.Jhd. erwähnt, er bringt bei uns die bunten Eier. In anderen Gebieten war es der Hahn, der Storch, der Fuchs oder der Kuckuck aber woher diese Bräuche stammen, ist uns ein Rätsel. Mit den Ostereiern kann man verschiedene Spiele machen. Wie hullern, picken, werfen, Gaggerlesgatschn und natürlich wurde auch mit dem neuen Ball gespielt.
Bei hullern oder hodln lässt man auf einer Schräge (kann auch durch zwei aufgestellte Rechen gemacht werden) das Ei hinab rollen und wenn es unten ein anderes Ei trifft und dies kaputt geht, gehört ihm das Ei.

Am Ostermontag war es Brauch, Feuerräder ins Tal rollen zu lassen. Dafür wurden bereits am Samstag alte Besen, Körbe, Brotkörbe und weiteres brennbare gesammelt und zu Feuerrädern oder Sonnenrädern gebunden. Sie waren ein Symbol für Licht, stammt aus heidnischem Brauch und sie sollen heilbringende, schützende Kraft geben.

Doch zum Schluss noch zum Osterspaziergang. Die Idee dafür geht auf die Wanderung der Jünger Jesu nach Emaus zurück. Bei so einem Spaziergang kann man sich die ganze Ostergeschichte nochmal durch den Kopf gehen lassen.

Ist euch jemand bekannt?

Goethes Osterspaziergang

Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden, belebenden Blick, 
im Tale grünet Hoffnungsglück;     
der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben, 
alles will sich mit Farbe beleben,
doch an Blumen fehlt‘s im Revier, 
sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um von diesen Höhen
nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor 
dringt ein buntes Gewimmel hervor. 
Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden; 
Aus niedrigen Häusern dumpfen Gemächern, 
aus Handwerks und  Gewerbesbanden, 
aus dem Druck von Giebeln und Dächern, 
aus der Straßen quetschender Enge, 
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht 
sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! Wie behend sich die Menge 
durch die Gärten und Felder zerschlägt, 
wie der Fluss in Breit und Länge 
so manchen lustigen Nachen bewegt, 
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden 
blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorf‘s Getümmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel, 
zufrieden jauchzet groß und klein: 
Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein!

aufgezeichnet von Ulla Drechsler