Beitrag in den     vom 6.11.2000

Die wieder sprudelnde "Gaggerlasquelle" bei Weikershof wurde mit viel Publikum eingeweiht
Ein verborgener Schatz in neuem Glanz
Gebersdorfer Bürgerverein reaktivierte das Kleinod und schuf eine Wegverbindung aus Nürnberg

FÜRTH - Eine neue Attraktion
lockt in den tiefsten Fürther Süden:
Unter großer Beteiligung der Bevölke-
rung sind am Samstag die wieder
belebte "Gaggerlasquelle" bei Wei-
kershof sowie eine neue Unterführung
für Fußgänger und Radfahrer an der
Rothenburger Straße eingeweiht wor-
den, die den Weg aus der Nachbarstadt
dorthin erleichtert.

Beide Projekte sind dem Idealismus
des Bürgervereins Gebersdorf zu ver-
danken, der nicht nur die Idee hatte,
die Heilquelle wieder öffentlich zu
nutzen; die Mitglieder wagten sich
auch in vielen unbezahlten Stunden an
die Umsetzung des Vorhabens.

Nürnbergs Oberbürgermeister Lud-
wig Scholz blieb es überlassen, das
symbolische Trennungsband zwischen
den beiden Städten zu durchschnei-
den. Schließlich haben "seine Gebers-
dorfer" auch die fußläufige Verbin-
dung zur grünen Oase in den auf Für-
ther Gebiet liegenden Rednitzauen in
Eigenleistung geschaffen. Vom Neu-
mühlweg auf Gebersdorfer Seite kön-
nen Fußgänger nun unter der Fernab-
rücke hindurch gefahrlos den Buck-
weg in Fürth erreichen. Damit stellt
die verkehrslastige Rothenburger
Straße kein Hindernis mehr auf dem
knapp zehnminütigen Fußmarsch zur
Gustav-Adolf-Quelle dar.

Das beliebte Naherholungsziel der
Bevölkerung im Überschwemmungs-
gebiet der Rednitz ist im Volksmund
wegen seines schwefligen Geruchs als
"Gaggerlasquelle" ein Begriff. Daran
erinnerte auch Wolfgang Lang in sei-
ner Laudatio. Der Vorsitzende des
Bürgervereins Gebersdorf übergab
den Brunnenpavillon offiziell an die
infra fürth, der das Grundstück gehört.

Bereits seit Anfang des vergangenen
Jahrhunderts sprudelt das heilkräftige
und 19 Grad warme Mineralwasser aus
mehreren hundert Metern Tiefe an die
Oberfläche; immerhin 500 Liter in nur
drei Minuten, pro Liter etwa 3,7
Gramm hochwertige Mineralien. Die
Quelle wurde viele Jahre für ein
Schwimmbad genutzt, dessen Beton-
becken schließlich in den 80er Jahren
eingeebnet wurde. Danach floss das
wertvolle Nass ungenutzt in den Fluss.

Mainau als Vorbild

Eine Verschwendung, die den Bür-
gerverein nicht ruhen ließ. Viele
Genehmigungen waren einzuholen,
bevor unter der Federführung von
Diplomphysiker Ingo Dittrich die Bau-
pläne erstellt werden konnten. Als
Vorbild diente der Brunnentempel der
Kleinen Mainau. Sechs Betonpfeiler
tragen ein rundes Holzdach mit Glas-
einsatz, eine der Säulen enthält einen
Auslass, aus dem das Quellwasser
gezapft werden kann. Treibende Kraft
bei der Realisierung des Objektes war
Bauleiter Hans Schobig. Er verwies bei
seiner Ansprache zur Einweihung
allerdings auch auf das immer noch
ungelöste Problem der Gaggerlasquel-
le: den schlechten Geschmack. Der
Schwefelgehalt ließ viele der Gäste, die
sich an eine erste Kostprobe wagten,
die Nase rümpfen. Der Appell des Bür-
gervereins-Vorsitzenden Lang ("Bitte
nicht mit Unverstand trinken") bleibt
daher mit Sicherheit nicht unbeachtet.
Mangels ständiger Untersuchung darf
das warme Nass ohnehin weder als
Heil- noch als Trinkwasser deklariert
werden.

Lang würdigte die zahlreichen Hel-
fer, die an der Erschließung beteiligt
waren. Gleichzeitig konnte der Bau-
fortschritt in allen Einzelheiten als
digitale Dokumentation auf Bild-
schirm und Leinwand mitverfolgt wer-
den. Vereinsmitglied Wolfgang Weiß
hatte dazu eigens ein Bildarchiv aufge-
mittels Videobeamer präsentierte.

Im Publikum befand sich auch ein
ganz besonderer Gast: Elisabeth Böh-
ner, deren Großvater die Quelle einst
bohren hat lassen, als Fürth noch auf
dem besten Weg zu einer Bäderstadt
schien. Sie hat das Projekt mit wohl-
wollendem Interesse verfolgt.

JOHANNA SCHOLZ

Groß war der Andrang des Publikums, als die neue Fußund Radwegverbindung an der Stadtgrenze eröffnet wurde, die unter der Fernabrücke von Gebersdorf aus zur Quelle bei Weikershof führt.
Foto: Hans-Joachim Winckler